Normen und Standards für Technische Dokumentation:
Überblick & aktuelle Entwicklungen
Normen und Standards bilden das Fundament jeder Technischen Dokumentation. Welche Vorgaben im Detail gelten, hängt stark von Branche, Produkt und Zielmärkten ab: Während im Maschinenbau andere Regelwerke relevant sind als in der Medizintechnik oder bei Software, kommen beim Export weitere nationale Anforderungen hinzu. Gleichzeitig werden bestehende Normen regelmäßig überarbeitet und neue Standards entwickelt, vor allem für digitale Formate und den Austausch intelligenter Informationen. Hier geben wir einen Überblick über die zentralen Normen, die für Technische Redaktionen heute unverzichtbar sind.
![]()
IEC/IEEE 82079-1 – Kernnorm für Gebrauchsanleitungen
Die IEC/IEEE 82079-1 gilt international als wichtigste Grundlage für die Erstellung von Nutzungsinformationen. In der überarbeiteten Version von 2019 wurde der Fokus auf Zielgruppenorientierung, Verständlichkeit und digitale Medien noch einmal deutlich gestärkt. Außerdem definiert die Norm Anforderungen an Qualifikationen von Redakteuren, ein Aspekt, der für die Professionalität von Dokumentationen zentral ist.
VDI 2770 – Digitale Herstellerinformationen
Die Richtlinie VDI 2770 gewinnt vor allem dort an Bedeutung, wo große Mengen an technischen Unterlagen in komplexen Anlagen oder Prozessen eingesetzt werden. Sie sorgt für eine einheitliche Strukturierung und Klassifikation von digitalen Herstellerinformationen und macht Dokumente dadurch leichter auffindbar, wiederverwendbar und austauschbar.
ISO 20607 – Zusätzliche Anforderungen im Maschinenbau
Für den Maschinenbau existiert mit ISO 20607 eine branchenspezifische Ergänzung zur IEC/IEEE 82079-1. Diese Norm legt besondere Schwerpunkte auf Risikodarstellung und Sicherheitshinweise. Hersteller profitieren davon, dass die Dokumentation rechtliche Anforderungen präziser abbildet und Bedienungsanleitungen für komplexe Maschinen leichter nachvollziehbar werden.
Die regulatorischen Anforderungen an Maschinenhersteller ändern sich gerade grundlegend: Ab Januar 2027 ersetzt die
neue Maschinenverordnung die bisherige Maschinenrichtlinie – was das konkret bedeutet, erklären wir hier:
Maschinenrichtlinie und Maschinenverordnung im Überblick
Warnhinweise normgerecht erstellen: ANSI Z535 und SAFE-Prinzip
Für die korrekte Formulierung und Gestaltung von Warn- und Sicherheitshinweisen haben sich zwei Standards etabliert:
ANSI Z535 definiert Aufbau, Signalwörter und Piktogramme, das SAFE-Prinzip (Signalwort, Art der Gefahr, Folgen, Entkommen/Maßnahme) gibt die inhaltliche Struktur vor. Wie Sie Warnhinweise normgerecht aufbauen und wie KI dabei unterstützen kann, erklären wir im Detail: Warn- und Sicherheitshinweise in der Technischen Dokumentation
ISO/IEC 26511–26515 – Standards für Software-Dokumentation
Softwareprojekte stellen Dokumentationsteams vor besondere Herausforderungen: kurze Releasezyklen, agile Prozesse, internationale Teams. Die Normenreihe ISO/IEC 26511 bis 26515 adressiert genau diese Anforderungen. Sie umfasst Richtlinien für die Erstellung, Übersetzung, Qualitätssicherung und Usability von Software-Dokumentationen.
iiRDS – Austauschformat für intelligente Informationen
Der intelligent information Request and Delivery Standard (iiRDS) ist vergleichsweise jung, aber für digitale Dokumentationsstrategien zentral. Er ermöglicht es, Inhalte mitsamt Metadaten in einem standardisierten Format bereitzustellen – maschinenlesbar, modular und für vernetzte Systeme nutzbar. Gerade im Kontext von Industrie 4.0 und Wissensmanagement ist iiRDS ein Schlüsselstandard.
Weitere relevante Normen & Entwicklungen
Neben den oben genannten Standards gibt es eine Vielzahl branchenspezifischer oder ergänzender Regelwerke, die je nach Produktumfeld eine Rolle spielen – etwa Normen zur Risikobewertung, Sicherheitskennzeichnung oder zur Erstellung von Online-Hilfen. Unternehmen sollten deshalb regelmäßig prüfen, ob ihre Dokumentationsprozesse mit aktuellen Versionen übereinstimmen und neue Normen rechtzeitig berücksichtigen.
Normen und Standards sind kein neues Thema – sie bilden seit jeher das Fundament der Technischen Dokumentation. Neu ist jedoch, dass mit VDI 2770 und iiRDS zunehmend digitale Standards an Bedeutung gewinnen, die den Austausch und die Wiederverwendung von Inhalten in vernetzten Umgebungen ermöglichen. Für Unternehmen heißt das: Wer heute in strukturierte, standardkonforme Dokumentationsprozesse investiert, stellt nicht nur rechtliche Compliance sicher, sondern gewinnt auch Effizienz und Zukunftsfähigkeit.
Normen wie IEC/IEEE 82079-1 oder VDI 2770 sind dabei stets freiwillig – anders als gesetzlich bindende Richtlinien und Verordnungen wie die Maschinenrichtlinie oder die Verordnung über die allgemeine Produktsicherheit (GPSR). Einen Überblick über diese rechtlichen Vorgaben finden Sie in unserem Beitrag Richtlinien für die Technische Dokumentation.
Auf der Seite der tekom finden Sie eine übersichtliche Zusammenfassung aller Normen und Regelungen in der Technischen Kommunikation.
Wie COSIMA Sie bei normgerechter Dokumentation unterstützt
COSIMA, das XML-Redaktionssystem von DOCUFY, unterstützt Sie dabei, Normen wie IEC/IEEE 82079-1 strukturell einzuhalten – durch Dokumentvorlagen, Terminologieprüfung und KI-gestützte Erstellung normkonformer Warnhinweise.
